Hochwasserschutz

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Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge

Hochwasser wird der Zustand bei Gewässern genannt, bei dem der Wasserstand deutlich über dem normalen Pegelstand liegt. Dabei ist jedoch zwischen Meeren und Fließgewässern zu unterscheiden. Unter Hochwasserschutz versteht man die Maßnahmen, die zum Schutz der Bevölkerung und von Sachgütern vor Hochwasser ergriffen werden.



  • Hochwasser sind natürliche, selbstverständliche Ereignisse, die nicht

vermeidbar sind.

  • Die katastrophalen Folgen von Hochwasserereignissen entstehen erst durch die

Besiedlung von Flächen, die der natürlichen Überflutung dienen.

  • Technische Schutzmaßnahmen dieser besiedelten Flächen bringen nur scheinbare

Sicherheit, denn sie schützen nur bis zu einer geplanten Grenze (dem Bemessungshochwasser), das aber immer überschritten werden kann.

  • Wird dieses Bemessungshochwasser überschritten, sind die Schäden hinter den

überfluteten Deichen oft extrem hoch .* Technische Schutzmaßnahmen wirken nur lokal begrenzt, häufig verschärfen sie die Hochwassersituation weiter flussabwärts.



Maßnahmen zum Hochwasserschutz können folgende Aspekte umfassen

  • Anpassung der Nutzung an die Hochwassergefährdung (Absiedelung, Änderung der

landwirtschaftlichen Nutzung, sichere und schadensarme Gestaltung von Bauwerken)

  • Schutz vor dem Hochwasser durch
  • Rückhalt des Niederschlagswassers in der Fläche, oder durch Rückhaltebecken
  • Buhnenbauwerke, Wiederherstellung der natürlichen Flussgeometrie (eine große

Uferlänge durch viele Bögen)

  • Schutz betroffener Gebiete oder Objekte durch Deiche (in Österreich auch als

Hochwasserschutzdämme bezeichnet)

  • Erhöhung der Abfuhrkapazität der Gewässer durch Querschnittserweiterung und

Flutmulden

  • Rechtzeitige Warnungen und Alarmierung durch automatische Pegelmessstationen.

Risiken und Anfälligkeit

In den vergangenen zwei Jahrzehnten beliefen sich die volkswirtschaftlichen Schäden durch extreme Hochwasserereignisse in Deutschland auf über 13 Milliarden Euro. Allein das Hochwasser im Einzugsgebiet der Elbe im August 2002 verursachte Schäden in Höhe von über 11 Milliarden Euro.Für die Schadenshöhe ist neben dem Ausmaß des Hochwasserereignisses auch die Anfälligkeit der Region von Bedeutung. Diese wird bestimmt durch verschiedene Faktoren ? wie die Art der Bebauung von Hochwasserrisikogebieten, der Bevölkerungsstruktur, dem Bewusstsein über die Hochwassergefahren oder dem Reaktionsvermögen der Fachverwaltungen und Katastrophenschutzbehörden. Die Fähigkeit der Gesellschaft, mit solchen Risiken umgehen zu können, hängt u. a. vom Handeln der wasserwirtschaftlichen Fachverwaltungen, des Katastrophenschutzes, der Stadtentwicklung und der beteiligten Akteure der Politik sowie dem Risikobewusstsein und der Eigenvorsorge der Bevölkerung ab.


Wie anpassen?

Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge haben in Deutschland eine lange Tradition. Es liegen umfangreicher Erfahrungen vor, an die bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel anzuknüpfen ist.

Grundsätzlich ist die Kooperation zwischen Unter- und Oberlieger an einem Fluss weiter zu verbessern. Beispielsweise können Polderlösungen im ländlichen Raum für eine Stadt oder Siedlung weiter flussabwärts die Hochwasserspitzen entscheidend kappen. Aber auch vorsorgende Maßnahmen im Einzugsgebiet eines Flusses haben entscheidende Wirkung auf den Verlauf eines Hochwassers im Hauptstrom.

Erkenntnis vergangener schadensträchtiger Hochwasserereignisse ist aber auch, dass technischer Hochwasserschutz nur begrenzt wirksam ist und ein Restrisiko bleibt. Entscheidungsträger kommunizieren diese Restrisiken häufig nicht ausreichend.

Anpassung im Umgang mit Hochwasserereignissen kann mit folgenden Maßnahmen erfolgen:

  • Flächenfreihaltung z. B. zur Bereitstellung und Reservierung möglicher

Überflutungsflächen (so genannter Retentionsflächen) sowie Vermeidung nicht angepasster Bebauung und Nutzung in Hochwasserrisikogebieten, Ausweisung von Überschwemmungsgebieten;

  • Verbesserung des Informationsstandes und des Bewusstseins der Bevölkerung über

die Hochwassergefahren, um individuelle Vorsorge und die Umsetzung persönlicher Schutzhandlungen im Ereignisfall zu befördern. Hier sind auch die weitere Optimierung von Warnsystemen, die eine möglichst frühzeitige Warnung und eine möglichst optimale Erreichbarkeit der betroffenen Bevölkerung gewährleisten müssen, zu nennen - ebenso Gefahren- und Risikokartierungen, aber auch Versicherungen oder ökonomischer Ausgleich in Flusseinzugsgebieten;

  • technische Maßnahmen, z. B. Verstärkung oder Neubau von

Hochwasserschutzanlagen, Erhöhung der Durchgängigkeit der Gewässer für hohe Abflussspitzen, Anlage von Überflutungspoldern, hochwassersichere Bauweise von Gebäuden und Infrastruktur, mobile Schutzwände sowie Objektschutz;

  • Maßnahmen mit ökologischer Ausrichtung, z.B. Deichrückverlegung,

Wiederansiedlung von Auwäldern, Wasserrückhalt in der Fläche durch Rücknahme von Entwässerungsmaßnahem und Regenwasserversickerung vor Ort;

  • Maßnahmen des Katastrophenschutzes z. B. Notfall- und Evakuierungspläne sowie

Pläne zur Sicherung von Industrieanlagen.

Bei all diesen Maßnahmen sind auf einem Risikomanagement aufbauende Kommunikations- und Partizipationsstrategien von Vorteil.