Grünes Band

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Schwerpunkt

Biodiversität vor dem historischen Hintergrund des Raumes Hitzacker/ Amt Neuhaus


POI'S

Die Entstehung des Grünen Bandes

Die Siegermächte des 2. Weltkrieges teilten Deutschland 1945 in vier Besatzungszonen. Der sich in den folgenden Jahren entwickelnde Kalte Krieg prägte die Politik der Besatzungsmächte. Während die westlichen Besatzungsmächte (Frankreich, Großbritannien, USA) den Wiederaufbau fördern wollten, hatte die Sowjetunion die Demontage zum Ziel. Aus diesen unterschiedlichen Reaktionen folgte eine differente Entwicklung von West- und Ostdeutschland.

Die 1949 gegründete BRD trat 1955 der Nato bei und wurde somit in den Westen integriert. Mit dem Betritt der ebenfalls 1949 gegründeten DDR zum Warschauer Pakt 1955 wurde diese in den Ostblock eingebunden. Die Grenzziehung zwischen den beiden deutschen Staaten ab August 1961 sollte Deutschland 40 Jahre lang teilen. Die Grenze zwischen Ost und West war geboren!

Doch aus dem Grenzschutz wurde ungewollt Naturschutz. Die langjährige Unberührtheit der Natur am Todesstreifen führte zur Ausbildung einer neuen Lebensader, dem "Grünen Band". Auf 1.309 Kilometern entwickelte sich ein Grüngürtel mit über 600 bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Diese hohe Biodiversität macht "Das Grüne Band" zu einem "lebendigen Denkmal" der jüngeren deutschen Geschichte.




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Vom Grenz- zum Naturtourismus

Grenztourismus in Hitzacker

Die Stadt Hitzacker, welche direkt an der Elbe, der historische Stadtkern von der Jeetzel umschlungen, liegt, musste hautnah miterleben, was es bedeutete in der "Zone" zwischen Ost und West zu leben. Ab 1945 gehörte Hitzacker zur Besatzungszone der Alliierten bzw. ab 1949 zur BRD.

Die Zeit der Grenze brachte neben leidvollen Familientrennungen auch einen positiven Aspekt mit sich: den Grenztourismus. Hitzacker erlebte einen neuen Aufschwung durch den Tourismus, von welchem die Stadt damals lebte. Nach Hitzacker kamen täglich 10-15 Busse mit Gästen aus aller Welt (u.a. Dänemark, Schweden, Niederlande, Australien), um die Grenze aus der Nähe zu besichtigen. Besonders großer Andrang war jedes Jahr Anfang August mit dem Beginn der Sommerferien. Ein Beispiel für den Grenztourismus ist die heute noch existierende "Elbe-Star", welche damals wie heute Elbrundfahrten anbietet. Allein das Amt führte monatlich etwa 3000-5000 Besucher an die Grenze. Im Vergleich dazu zählte Hitzacker lediglich 5100 Einwohner.


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Nach der Grenzöffnung im November 1989 verschwanden neben den Grenzzäunen auch der Großteil der Touristen. Außer den Touristen verschwanden auch die Betriebe und so wurde es ruhig in Hitzacker. Die erhoffte wirtschaftliche Stabilisation des industriell schwachen Hitzackers mit der Öffnung der Grenze blieb aus. Stattdessen fiel nun auch noch die Zonenrandförderung, welche seit 1965 gezahlt wurde und den Nachteil der Grenzlage ausgleichen sollte, durch den Staat weg.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Grenze auf die Wirtschaft einen positiven Einfluss hatte.


Naturtourismus im Raum Hitzacker /Amt Neuhaus

Auf das durch den Todesstreifen entstandene "Grüne Band" sollte nach der Grenzöffnung aufmerksam gemacht werden, um wieder Touristen anzulocken und es zu erhalten. So sollte das wirtschaftliche Defizit wieder ausgeglichen werden.

In den folgenden Jahren wurden viele Projekte initiiert, die sowohl die Geschichte, als auch die Biodiversität des "Grünen Bandes" selber behandeln. Im Raum Hitzacker/ Amt Neuhaus wird dies zum Beispiel durch Grenzerfahrungspunkte, wie die Alte Jeetzel, geschaffen, die als Erinnerung an die Teilung Deutschlands dienen und gleichzeitig zeigen, wie die Natur diese Trennung für sich genutzt hat. Dieser Naturtourismus nahm eine starke Entwicklung in den letzten Jahren. Unter dem Namen "Erlebnis Grünes Band" gilt das Wendland unter anderen als Modellregion aufgrund ihres vielfältigen Angebotes, bei dem die Menschen auf spielerische Art und Weise die Natur erleben können. So gibt es Ausstellungen, Rad- und Wandertouren, Bildungsveranstaltungen sowie Projekttage für Kinder und Jugendliche.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Projekte "Das Grüne Band" erlebbar gemacht und nicht beeinträchtigt wird.

Die Biodiversität und der Naturraum im Amt Neuhaus

Der Begriff "Biodiversität" bedeutet ins Deutsche übersetzt "Die Vielfalt des Lebens". Definiert wird die Biodiversität also anhand der Mannigfaltigkeit der Arten, der Vielfalt an Ökosystemen und der genetischen Variabilität in einem festegelegten Raum. Um eine möglichst hohe Biodiversität zu erreichen, sind geschützte Flächen, z.B. Naturschutzgebiete, oder auch eine gute Wasserqualität von hoher Bedeutung. All diese Voraussetzungen sind im Grünen Band gegeben: Durch den fast dreißig Jahre langen, zwar unbeabsichtigten, aber dennoch wirkungsvollen, Naturschutz, ist eine Lebensader entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entstanden. Vor allem die Elbtalaue stellt einen Großteil des Grünen Bandes dar, der eine besondere Biodiversität aufweist.

Das Gebiet Amt Neuhaus ist ein Areal der Elbtalaue, das demnach eine hohe Biodiversität aufweist. Vor allem im Hinblick auf die Vielfältigkeit der Ökosysteme und den Artenreichtum ist dieser Raum etwas Besonderes: Angefangen bei Feuchtwiesen bis hin zu Wanderdünen und Brackwasser ist sowohl hier als auch in anderen Teilen des Grünen Bandes im Raum der Elbtalaue alles zu finden.

Dies ist nicht zuletzt der Verdienst des ehemaligen Grenzzauns in der Region, der zur Abgeschiedenheit dieser Lebensader führte, als auch der der letzten beiden Eiszeiten. Vor allem durch die Weichselvereisung erhielt die Elbe vor ca. 12.000 Jahren ihre geologischen Charakteristika, nämlich die Flussrichtung westwärts, im durch Schmelzwässer geformten Urstromtal, die vor gelagerten Dünenzüge und die Endmoränen, die teilweise bis heute zu erkennen sind. Seit ihrer Entstehung befindet sich die Elbe in einem stetigen Prozess der Veränderung, nicht zuletzt in einigen Aspekten durch das Eingreifen von Menschen hervorgerufen. Der Flusslauf wurde streckenweise künstlich begradigt, entwickelte sich aber auch natürlich weiter, sodass überall am Verlauf dieses Flusses Altarme zu finden sind. Darüber hinaus hat man zum Hochwasserschutz beidseitig Deiche aufschütten müssen, um die Siedlungen vor Überschwemmungen zu schützen. All diese Umgestaltungen prägen das Amt Neuhaus und auch den Rest der Elbtalaue.

Das Vorland der Elbe, also der Raum zwischen Fluss und Deich, kann viele verschiedene Landschaftsarten aufweisen: Im Raum Amt Neuhaus sind vor allem Grünlandbereiche zu finden, die sowohl Feuchtwiesen, als auch Weiden sein können. Dort gibt es immer wieder wertvolle Altbäume, die Rudimente der ehemaligen Auwälder in diesem Bereich sind. Da es im Frühjahr oft Hochwasser im Elbvorland gibt, werden diese Wiesen regelmäßig überschwemmt. Dank der wertvollen Nahrungsgrundlage auf diesen Flächen, stellen sie einen hohen Reichtum an Artenvielfalt dar. So sind hier überwiegend die bedrohten Arten, wie der Weißstorch und Kiebitze, anzutreffen.

In diesen Bereichen findet man auch Altarme der Elbe, auch Haken genannt, die heute mit Brackwasser gefüllt sind. Diese Kleingewässer sind durch ihre Abhängig vom Pegelstand der Elbe sehr kurzlebig, da sie bei Hochwasser immer wieder für kurze Zeit mit der Elbe verbunden sind. Ständig in der Veränderung, durch unterschiedliche Wasserstände oder das schnelle Erwärmen dieser Flachwasserzonen, bieten sie verschiedenen Arten einen Lebensraum. Sie sind erstklassig für viele Amphibienarten, wie der Rotbauchunke, oder auch Insekten geeignet, die wiederum dem Weißstorch als Nahrung dienen.

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Doch auch weiter im Landesinneren wird die Vielfalt dieses Naturraums deutlich. In der Nähe der Orte Stixe und Kaarßen gibt es große Waldflächen, die überwiegend aus Kiefern bestehend sind. Hier kommen die Relikte der Eiszeiten zum Vorschein, die an den Wanderdünen zu erkennen sind. Auf dem sandigen Boden wachsen Silbergrasfluren und auch Trockenrasen. Sie sind sehr wasser- und nährstoffarm und bieten wieder ganz anderen Arten, als denen der Feuchtwiesen, ein Habitat.

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Schutz des Grünen Bandes

1. Gefahren

Obwohl 85% der Fläche des Grünen Bandes dank großen Einsatzes von Umweltorganisationen als Lebensraum erhalten bleibt, gibt es trotzdem viele Gefahren, die die Zerstörung dieses einzigartigen Biotops bedeuten könnten. Zum einen kreuzen ca. 430 Straßen das Grüne Band, darunter auch große Autobahnen, die mit ihren starken Abgasen für eine große Umweltverschmutzung und damit zu einer Einschränkung der Biodiversität führen. Das Gleiche gilt für ICE-Strecken, die sich durch das Grüne Band ziehen und sogar weiter ausgebaut werden sollen. Des Weiteren gibt es auch Schutthalden, Sandabbau und Gülleflächen mitten im Grünen Band und es wird wenig Rücksicht auf die Auswirkungen genommen. Die größte Gefahr stellt jedoch die intensive landwirtschaftliche Nutzung dar, die durch ihren übermäßigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden dem Boden und dem Grundwasser Schaden zufügt und damit wiederum den Pflanzen ihre Grundlage nimmt. 15% des Grünen Bandes sind bereits zerstört oder beeinträchtigt und damit es nicht zu weiteren Schädigungen kommt, gibt es viele Umweltverbände, die sich für den Erhalt des Grünen Bandes einsetzen und auf die Gefahren aufmerksam machen.


2. Schutzmöglichkeiten

Um den Lebensraum im Grünen Band, der noch nicht für die Landwirtschaft oder als Gewerbegebiet genutzt wird, zu schützen, gibt es verschiedenen Möglichkeiten. Als größte Rettungsmöglichkeit erweist sich der Kauf von Flächen, die sich durch das Grüne Band ziehen und zu Teilen in Privatbesitz sind. So können diese Flächen von Organisationen oder Institutionen erworben werden und sind somit vor einer weiteren Zerstörung geschützt. Auch der Staat engagiert sich für das Grüne Band, indem die bundeseigenen Flächen in die Verantwortung der jeweiligen Bundesländer gegeben werden, die sich wiederum um den Naturschutz kümmern. In den Bundesländern selbst wird mit Pflege- und Schutzmaßnahmen dafür gesorgt, dass die Flächen erhalten bleiben, wie zum Beispiel mit dem Flurneuordnungsverfahren, das die immer noch vorhandenen Lücken im Grünen Band schließen soll. Mittlerweile sind 28% des Grünen Bandes als Naturschutzgebiete und 38% als Flora-Fauna-Habitate (FFH-Gebiete) ausgewiesen, was den Schutz deutlich erleichtert.


3. Förderung/Projekte

Es gibt viele Organisationen, die sich für das Grüne Band engagieren. In Deutschland liegt der Schwerpunkt auf dem BUND (BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland), die sich in vielen Projekten für den Schutz und Erhalt dieses einigartigen Biotops einsetzen. Durch die finanzielle Förderung des Bundesumweltministerium und des Bundesamt für Naturschutz wurde die Durchsetzung solcher Projekte allerdings deutlich erleichtert. Schirmherr und prominentester Schützer des Grünen Bandes ist der ehemalige Präsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow. Mit vielen Projekten versucht er, auf das Grüne Band aufmerksam zu machen und für seinen Erhalt zu sorgen. Sein neustes Projekt ist der so genannte ?Naturathlon?, also ein Marathon durch die Natur. Hierbei soll ein schonender Umgang mit der Natur und Spaß durch sportliche Aktivität verbunden werden. Der Naturathlon ist nur eins von immer mehr Projekten des Naturtourismus, der den Menschen auf eine spielerische und abenteuerliche Weise das Grüne Band näher bringen soll. Seit 2006 besteht das INTERREG-Programm "Green Belt", das sich sowohl für den Schutz als auch für die Erlebbarkeit des Grünen Bandes einsetzt, sodass es den Menschen durch Beispiele von Lebensräumen am Grünen Band näher gebracht werden kann. Aufmerksamkeit wird auch das UNO-Jahr der Biodiversität 2010 erregt, da in diesem Falle das Grüne Band als Vorbild für den Erhalt der biologischen Vielfalt und eine Länder übergreifende Kooperation gilt. In dem Sinne wurde es auch als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet.


4. Schutz im Wendland

Um auf das Grüne Band aufmerksam zu machen, werden viele Projekte initiiert, die sowohl die Geschichte, als auch das Biotop selber behandeln. Im Raum Elbe/Altmark/Wendland wird dies zum Beispiel durch die Grenzerfahrungspunkte, wie die Alte Jeetzel, geschaffen, die als Erinnerung an die Teilung Deutschlands dienen und gleichzeitig zeigen, wie die Natur diese Trennung für sich genutzt hat. Die stärkste Entwicklung der letzten Jahre ist in dem Naturtourismus zu spüren. Unter dem Namen ?Erlebnis Grünes Band? können Menschen auf spielerische Art und Weise die Natur erleben und gleichzeitig lernen wie man sie schützt und erhält. Dadurch wird viel Aufmerksamkeit auf das Grüne Band und seine Biodiversität gelenkt und immer mehr Menschen engagieren sich für seinen Schutz. So wurde zum Beispiel der Bau einer Brücke über die Elbe verhindert, um eine Verschmutzung im Bereich des Grünen Bandes zu vermeiden und somit gilt die Elbfähre im Raum Hitzacker als einzige Möglichkeit der Elbüberquerung. Neben dem Naturtourismus werden auch vielfältige Naturschutzmaßnahmen durchgeführt, die zur Erhaltung des Grünen Bandes getroffen wurden. Die Elbtalaue als Teil des Grünen Bandes ist mit Hilfe der finanziellen Unterstützung des Bundesumweltministeriums das größte Rückdeichungsprojekt, wobei die Auen gestärkt und gleichzeitig der Hochwasserschutz verbessert werden soll.


5. Ausblick

Es gibt immer mehr Organisationen und Verbände, die sich für den nachhaltigen Schutz und Erhalt des Grünen Bandes einsetzen. So ist es nicht länger nur Thema von Umweltschützern, sondern auch die Politik hat die Bedeutung des Grünen Bandes erkannt und das Bundesumweltministerium verspricht nachhaltige Schutzmaßnahmen und eine Stärkung des Naturschutzes rund um die Lebensräume im Grünen Band. Das Verbot der Privatisierung und die Flächenübertragung an die Länder war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es gilt weiter auf das Grüne Band aufmerksam und es für die Menschen erlebbar zu machen, sodass eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit dieser einzigartigen Natur entsteht. Die schon bestehenden Vorkehrungen und Maßnahmen sollten erweitert werden und vor allem Projekte wie ?Erlebnis Grünes Band? in den Tourismus der jeweiligen Länder integriert werden. Da jedoch das Engagement wächst und das Grüne Band auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall und trotz der Umweltbelastung größtenteils gut erhalten ist, bestehen gute Chancen, dass dieses Biotop auch in Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit Bestand haben wird.

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Routenplanung POI's

  • Raum Hitzacker (Stadt Hitzacker mit "Alte Jeetzel", Naturraum nördlich der Elbe) mit einer Elbüberfahrt (Fähre von Hitzacker nach Bitter[7])


Linksammlung

  • Erlebnis Grünes Band [8]
  • Das Grüne Band [9]
  • BUND für Umwelt und Naturschutz [10]
  • Grünes Band Deutschland (Wikipedia) [11]
  • BfN: Grünes Band [12]
  • Elbe als Grenze [13]
  • Grünes Band [14]
  • Fähre Bitter- Hitzacker [15]